Transformation - en2x

Mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen allein keine CO2-Neutralität

Nur 20 Prozent unseres heutigen Energiebedarfs decken wir mit Strom. Der Rest – 80 Prozent – sind flüssige und gasförmige Energieträger. Benzin, Kerosin, Heizöl, Rohstoffe für die Chemie.
Selbst wenn wir den Stromanteil verdoppeln und erneuerbar produzieren: Flugzeuge, Schiffe und große Teile der Industrie laufen nicht mit Batterien. Sie brauchen Moleküle. Und diese Moleküle benötigen wir in einem langfristig auf Treibhausgasneutralität ausgerichteten Energiesystem  CO₂-neutral. 

Warum Moleküle weiterhin gebraucht werden

Flüssige oder gasförmige Energieträger werden zukünftig auch weiterhin in Sektoren und Anwendungen zum Einsatz kommen, die schwer oder gar nicht elektrifiziert werden können. Beispiele hierfür sind:

  • der Luftverkehr
  • die Schifffahrt
  • die Bestandsflotten von PKW
  • Nutzfahrzeuge mit Verbrennungsmotor, etwa im Schwerlastverkehr oder in der Landwirtschaft
  • zur Sicherung der Energieversorgung, besonders im Krisenfall

Darüber hinaus ist die stoffliche Nutzung von Molekülen – insbesondere von Kohlenwasserstoffen – für die chemische Industrie und weitere Grundstoffindustrien unverzichtbar. Sie werden als Einsatzstoffe für die Herstellung einer Vielzahl von (Vor-)Produkten benötigt.

Daher ist klar: wir haben eine riesige Aufgabe vor uns.

Neben der Stromwende brauchen wir auch eine Molekülwende.  

Wie kann die Molekülwende gelingen?

Grundlage ist eine umfassende Strategie, die Wasserstoff und Power to X-Technologien – also die Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen zur Herstellung neuer flüssiger und gasförmiger Energieträger und Grundstoffe – zusammen mit Kohlenstoffquellen wie Biomasse, Abfall- und Reststoffe, Recycling und CO₂ aus einzelnen Quellen oder der Atmosphäre integriert betrachtet. Für einzelne Anwendungen stehen entsprechende Technologien bereits zur Verfügung.

Zudem müssen jetzt Importstrukturen für wasserstoffbasierte Energieträger und andere flüssige oder gasförmige Moleküle geschaffen werden. Denn Deutschland wird trotz Ausbau der heimischen Stromerzeugung voraussichtlich weiterhin einen Großteil seines Energiebedarfs durch Importe decken müssen. Diese können zukünftig verstärkt aus Regionen mit vorteilhaften günstigen Produktionsbedingungen für die erzeugung aus erneuerbaren Energiequellen stammen. Der Transport erfolgt über Pipelines und Schiffe – in Form speicher – und transportfähiger Vorprodukte auf Wasserstoffbasis wie Methanol oder Ammoniak.

Was heißt eigentlich Molekülwende? Warum brauchen wir Sie und wie können wir sie erfolgreich umsetzen?
Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir für Sie kurz und knapp zusammengefasst.

Schauen Sie rein.

Was jetzt passieren muss

Für die Weiterentwicklung des Energiesystems ist ein fairer Wettbewerb um wirksame und wirtschaftliche Lösungen zur Verringerung von Treibhausgasemissionen wichtig. Deshalb sollte keine technologische Alternative von vornherein durch Verbote ausgeschlossen werden: Moleküle und Elektrifizierung stehen nicht in Konkurrenz zueinander, sondern können sich in einem diversifizierten Energiesystem ergänzen.

Umso wichtiger ist es, jetzt die Voraussetzungen für Investitionen und den Markthochlauf  neuer Kraft-, Brenn- und Grundstoffe zu schaffen. Dafür braucht es einen langfristig verlässlichen regulatorischen Rahmen, der ein attraktives Investitionsumfeld für innovative Technologien schafft. Dazu gehört auch der Abbau unnötiger Bürokratie und staatlicher Auflagen sowie die Entwicklung internationaler Märkte.

Der Verband en2x und seine Mitgliedsunternehmen möchten den konstruktiven Transformationsdialog mit der Politik und anderen Akteurinnen und Akteuren der Energiewende weiterführen, um die Entwicklung und Integration neuer Energieträger und Rohstoffpfade voranzutreiben. Dabei ist es zielführend, alle wesentlichen Verantwortlichkeiten innerhalb der Bundesregierung zukünftig in einem Ministerium zu bündeln.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) hat  in der letzten Legislaturperiode im Jahr 2024 einen Dialog zur Transformation der Branche gestartet. Das Ergebnispapier  “ Branchendialog zur Transformation der Mineralölwirtschaft mit regenerativen Kohlenwasserstoffen für Verkehr und Industrie/ „Molekülwende““ wurde im Jahr 2025 veröffentlicht.

Weitere Infos finden Sie hier.

Unsere Forderungen

Alle Optionen zur Emissionsminderung nutzen

Regulation sollte stets das Ziel haben, Emissionen möglichst rasch und kosteneffektiv einzusparen und Investitionen in innovative Technologien anzureizen, um den Wirtschaftsstandort fit für die Zukunft zu machen. Aus diesem Grund sind Technologieverbote kontraproduktiv. Und auch Restriktionen bezüglich der Anwendungsbereiche von wasserstoffbasierter und anderer klimaschutzrelevanter Moleküle führen dazu, dass sich Investitionen in neue Technologien und Geschäftsmodelle unter Umständen nicht rechnen.


Deutschland braucht eine Strategie für Kohlenstoffe

Auch in einem langfristig auf Treibhausgasneutralität ausgerichteten Energiesystem werden Kohlenwasserstoffe für eine Vielzahl von Produktionsprozessen benötigt. Neben Wasserstoff muss auch Kohlenstoff zunehmend künftig aus unterschiedlichen Quellen bereitgestellt werden, darunter Biomasse, Recyclingprozesse sowie weitere industrielle und technische Kohlenstoffquellen. Deshalb braucht Deutschland eine Kohlenstoffstrategie, die den Bezug, den Transport, die Verarbeitung und die Speicherung von CO₂ umfasst und zugleich die wichtige Rolle von Biokraftstoffen und Kunststoffrecycling anerkennt.


Investitionen in innovative Technologien müssen sich rechnen

Für die notwendigen privaten Milliardeninvestitionen in den Aufbau industrieller Produktionskapazitäten und die Anpassung und Ergänzung der Infrastruktur bedarf es gezielter staatlicher Unterstützung sowie geeigneter Finanzierungs– und De-Risking–Instrumente.

Verpflichtende Quoten reichen als alleiniges Instrument nicht aus. Ansonsten werden gerade Projekte die notwendigen kapitalintensiven Investitionen in fortschrittliche Technologien in der Regel nicht von den Banken finanziert, da diese über die lange Anlagenlaufzeit mit höheren marktlichen, aber auch technischen Risiken verbunden sind. 


Fossile CO2-Emissionen müssen ausreichend hoch bepreist werden

Ohne eine ausreichend hohe CO₂-Bepreisung werden alternative flüssige und gasförmige Moleküle nicht wettbewerbsfähig. Eine an den CO₂-Emissionen orientierte Energiesteuer könnte als notwendige Ergänzung der bestehenden CO₂-Bepreisung im Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) ein starkes und verlässliches Preissignal zugunsten Kraft– und Brennstoffe mit geringeren Treibhausgasemissionen erzeugen. 


Moleküle sind unverzichtbar für Versorgungssicherheit und Resilienz

Flüssige und gasförmige Energieträger lassen sich leicht transportieren und speichern. Aus diesem Grund ermöglichen sie die auch in einem auf Treibhausgasneutralität ausgerichteten Energiesystem notwendigen Energieimporte per Schiff oder Pipeline. Sie sind von zentraler Bedeutung für die strategischen nationalen Energiereserven – insbesondere im Krisenfall. Gleichzeitig tragen sie im Mix mit Strom aus Wind- und Solarkraft zu einer hohen Resilienz der Energieversorgung bei.


Internationale Märkte und Energiepartnerschaften müssen jetzt aufgebaut werden

Deutschland muss faire Energiepartnerschaften mit diversen Ländern aufbauen, die Wasserstoff und insbesondere Derivate wie Methanol oder synthetisches Rohöl günstig und unter praktikablen Bedingungen herstellen können und wollen. Mit ihrer Expertise in Gewinnung, Transport und Verarbeitung von flüssigen und gasförmigen Energieträgern kann die Mineralölwirtschaft hierbei wirksam unterstützen. 


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