Niedrige Energiesteuern für Benzin und Diesel
Hintergrund, Systematik und Anforderungen an die Kraftstofflogistik
Ab dem 1. Mai 2026 sinkt die Energiesteuer auf Kraftstoffe für zwei Monate um 14,04 Cent. Erfahren Sie hier, wie die Energiesteuer die Preise an den Tankstellen beeinflussen kann und welche logistischen Herausforderungen rund um die Stichtage dahinterstecken.
Warum sinkt die Energiesteuer?
Die wirtschaftlichen Folgen des aktuellen Iran-Krieges zeigen sich weltweit insbesondere durch stark gestiegene Energiepreise. Um Bürgerinnen und Bürger sowie die heimische Wirtschaft kurzfristig zu entlasten, hat die Regierungskoalition ein Energiesofortprogramm beschlossen. Ein zentraler Baustein dieses Pakets ist die temporäre Absenkung der Energiesteuer für Kraftstoffe.
Wie hoch ist die reduzierte Energiesteuer und wann gilt sie?
Die Steuersenkung gilt zunächst befristet für zwei Monate: vom 1. Mai bis zum 30. Juni 2026. Anders als in der Vergangenheit werden Benzin und Diesel diesmal gleichermaßen entlastet. Die Energiesteuer sinkt für beide Kraftstoffarten um 14,04 Cent pro Liter. Inklusive der darauf entfallenden Mehrwertsteuer ergibt sich an der Zapfsäule eine rechnerische Entlastung von rund 17 Cent brutto pro Liter.
Ziel der Tankstellen-Gesellschaften ist es, durch kluge Disposition eine zuverlässige Kraftstoffversorgung zu jeder Zeit sicherzustellen. Gleichzeitig wollen sie den Kunden die Möglichkeit bieten, bestmöglich von der Steuersenkung zu profitieren.
Dabei ist die Situation an jeder Tankstelle unterschiedlich: Je nach Lage, Kundenfrequenz und Belieferungsrhythmus können sich lokal andere Entwicklungen ergeben, die den Preis vor Ort beeinflussen. Auch die regionale Versorgungssituation wie zum Beispiel Transportengpässe durch Niedrigwassersituationen in der Binnenschiffslogistik kann die Preise beeinflussen.
Wichtiger Hinweis: Die Energiesteuer ist ein wichtiger, aber nur einer von vielen Parametern, die die Preisbildung an der Tankstelle im Kraftstoffmarkt beeinflussen.
Preisbildung auf dem Kraftstoffmarkt
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Warum die Preise möglicherweise nicht punktgenau um Mitternacht an der Tankstelle fallen
Anders als die Mehrwertsteuer wird die Energiesteuer nicht direkt beim Verkauf an der Zapfsäule fällig. Sie wird bereits zeitlich weit vorgelagert in dem Moment fällig, in dem Benzin und Diesel aus den Raffinerien und großen Tanklagern (den sogenannten Steuerlagern) in die Tankwagen für die Tankstellenbelieferung abgefüllt werden
Das bedeutet: Die Steuerumstellung erfolgt am 1. Mai um Mitternacht punktgenau an den Steuerlagern. Sämtliche Kraftstoffe, die sich am Stichtag (1. Mai) bereits in den unterirdischen Tanks der bundesweit rund 14.500 Tankstellen befinden, sind noch mit dem alten, höheren Steuersatz belegt. In der Begründung zum Gesetz weist die Bundesregierung daher explizit darauf hin, dass sich die Steuersenkung „verzögert und schleichend“ in den Verbrauchspreisen widerspiegeln kann. „Die Steuerentstehung erfolgt zum Zeitpunkt der Entnahme aus dem Steuerlager und ist damit dem Verbrauch durch die Endkundinnen und Endkunden vorgelagert.“ Dies kann dazu führen, dass Kraftstoff, der in den ersten Tagen nach der Steuersenkung verkauft wird, noch mit dem originären Steuersatz versteuert worden ist.
Eine doppelte Herausforderung für die Tankstellen-Logistik
Verbraucherverhalten und Steuersystematik stellen die Branche vor eine enorme logistische Herausforderung:
- Kaufzurückhaltung vor und kurzfristige Nachfragespitze ab dem 1. Mai 2026: Tankkunden werden in den Tagen vor der Steuersenkung voraussichtlich sehr zurückhaltend tanken. Dadurch leeren sich die unterirdischen Tanks der Stationen langsamer. Aus ökonomischen Gründen wird sicher an vielen Orten angestrebt, die Mengen versteuerter Ware am 30. April um 24 Uhr im System möglichst gering ausfallen zu lassen. Das wird jedoch nicht überall möglich sein, denn es bestehen im Regelfall langfristige Abnahmeverpflichtungen. Am Stichtag könnte sich also mancherorts noch regulär versteuerter Kraftstoff in den Tanks befinden.
- Am 1. Mai 2026 ist dennoch eine rege Nachfrage zu erwarten, bedingt durch das neue Preisänderungsgesetz bereits verstärkt in den Stunden von 12:00 Uhr. Daher werden die öffentlichen Tankstellen schnell (wieder) beliefert werden müssen. Der Feiertag am 1. Mai und das sich anschließende Wochenende erschwert die bedarfsgerechte Logistik zusätzlich. Wer nicht gerade tanken muss, sollte daher seinen Kauf auf die Folgewoche verlegen.
- Ausblick auf Nachfrage- und Angebotseffekte zum derzeit geplanten Auslaufen der Energiesteuersenkung am 30. Juni 2026: Ende Juni werden viele Autofahrer versuchen, ihre Fahrzeuge noch einmal günstig vollzutanken („Last-Minute-Tanken“). Dies führt wahrscheinlich zu einer sprunghaften Nachfrage. Am 1. Juli 2026 werden die dann fast leeren Tanks rasch wieder mit regulär versteuerter Ware aufgefüllt. Dabei ist die dann wieder reguläre Energiesteuer einer von vielen Parametern, die die Preisbildung an der Tankstelle im Kraftstoffmarkt beeinflussen.