WÄRMEMARKT

Mit Effizienz, Hybridisierung und erneuerbaren Fuels die Klimaziele erreichen

Bundesweit gibt es rund 5,4 Millionen Ölheizungen. Sie versorgen hierzulande rund 20 Millionen Menschen sicher und zuverlässig mit Wärme. Die meisten Ölheizungen stehen in Ein- und Zweifamilienhäusern in ländlichen Regionen oder am Rand von Ballungsgebieten. Aus diesem Grund liegen auch rund drei Millionen dieser Gebäude abseits der Gas- und Wärmenetze. Keineswegs jedes Haus mit Ölheizung lässt sich ohne Weiteres sofort auf eine rein auf erneuerbaren Energieträgern basierende Wärmeversorgung umstellen. Dem stehen oft technische oder auch finanzielle Hürden entgegen.

Um die Klimaziele zu erreichen, ist es dennoch notwendig und sinnvoll, durch effiziente und sozialverträgliche Lösungen die Treibhausgasemissionen von Gebäuden mit Ölheizung nachhaltig zu reduzieren. Gerade weil andere Technologien, wie zum Beispiel Wärmepumpen, oftmals nicht zum Einsatz kommen können. Perspektivisch ist auch mit einer Ölheizung eine treibhausgasneutrale Wärmeversorgung von Häusern möglich: schrittweise und unter Beibehaltung eines flüssigen Energieträgers.

Ein Dreiklang von Maßnahmen ermöglicht es, auf Grundlage bestehender Heizungssysteme die Klimaziele zu erreichen:

  • Effizienzsteigerungen durch die Heizungsmodernisierung mit Brennwerttechnik sowie eine Verbesserung der Gebäudedämmung.
  • Hybridisierung durch die direkte Einbindung erneuerbarer Energie, zum Beispiel von Sonnenenergie.
  • Einsatz alternativer Fuels aus Biomasse oder strombasierter E-Fuels, die das fossile Heizöl in zunehmendem Maße ersetzen.

Reduktion des Brennstoffbedarfs

Grundsätzlich gilt aus unserer Sicht: Die Anwendungstechnologie selbst ist nicht die entscheidende Herausforderung, denn die klimarelevanten Emissionen kommen aus den Energieträgern – aus dem aktuellen Strommix ebenso wie aus heute noch fossilen Brennstoffen. Deshalb ist es unerlässlich, dass diese Energieträger CO2-neutral werden. Dennoch sind zugleich Effizienzsteigerungen und Hybridisierung notwendig, um den Brennstoffbedarf deutlich zu reduzieren, denn die alternativen Fuels werden nicht in der Menge zur Verfügung stehen wie heute fossile Produkte.

CO2-Minderung sollte der Maßstab sein

Der genannte Dreiklang von Maßnahmen ermöglicht technisch sinnvolle und bezahlbare Lösungen für die heterogenen Gebäude- und Nutzerstrukturen. Damit solche Maßnahmen auch umgesetzt werden können, ist zum Erreichen der Klimaziele unserer Meinung nach eine große Bandbreite an technologieoffen zu gestaltenden Erfüllungsoptionen notwendig.

Maßstab für alle Erfüllungsoptionen sollte dabei die erreichbare CO2-Minderung sein. Diesbezüglich ist es entscheidend, dass Beimischungen erneuerbarer flüssiger Brennstoffe ausdrücklich anerkannt werden – gleichberechtigt mit anderen Klimaschutzoptionen. Technologische Vorfestlegungen sind dagegen eher kontraproduktiv, denn sie schränken die Handlungsoptionen der Hauseigentümer ein. Das reduziert jedoch die Akzeptanz von Klimaschutzmaßnahmen und führt zu Attentismus. Daher gilt auch für den Gebäudebereich: Klimaschutz braucht Vielfalt!

Kurz und Knapp zum Wärmemarkt

  • Einbau- und Technologieverbote für Gas- und Ölheizungen verunsichern modernisierungswillige Hauseigentümer und führen oft zu einem Weiterbetrieb ineffizienter Altanlagen. Daher sollte der Neueinbau einer Gas- oder Ölheizung in Verbindung mit dem Einsatz von erneuerbaren Energien weiter möglich bleiben.
  • Kein Landeswärmegesetz-Flickenteppich – stattdessen sollte das Gebäudeenergiegesetz bundeseinheitlich die Einbindung einer anteiligen Nutzung erneuerbarer Energien im Modernisierungsfall verpflichtend machen (für Öl-/Gas-Hybridsysteme).
  • Beimischungen biomasse- und strombasierter synthetischer flüssiger Brennstoffe im Heizöl sollten zu einer Regel-Erfüllungsoption im Gebäudeenergiegesetz werden. Die Höhe der Beimischung sollte sich an der CO2-Minderung anderer Minderungsoptionen wie zum Beispiel der Solarthermie orientieren. Eine massenbilanzielle Anrechnung sollte ermöglicht werden.
  • Der Vorschlag der EU-Kommission zur Reform der EU-Energiesteuerrichtlinie sieht deutlich niedrigere Sätze für Heizstoffe im Vergleich zu Kraftstoffen vor. Aus sozialen Erwägungen wird dieser Ansatz unterstützt.

Unsere Kernanliegen zur Legislaturperiode 2021 bis 2025, zusammengefasst, zum Download

Mit Beginn der neuen Legislaturperiode stehen Politik und Wirtschaft mit Blick auf den Klimaschutz vor weitreichenden Entscheidungen. Bundesregierung und Bundestag werden vor dem Hintergrund der ambitionierten nationalen und europäischen Klimaschutzziele für 2030 den bestehenden Regulierungsrahmen nochmals anpassen müssen.

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Thema?

Wir freuen uns auf einen offenen Dialog

    Sharing